{"id":430,"date":"2014-08-16T10:51:23","date_gmt":"2014-08-16T10:51:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peterfratton.ch\/wordpresswordpress\/?page_id=430"},"modified":"2021-02-11T15:34:51","modified_gmt":"2021-02-11T14:34:51","slug":"erganzende-gedanken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.peterfratton.ch\/?page_id=430","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzende Gedanken"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Portfolio\" href=\"http:\/\/www.peterfratton.ch\/?page_id=414\">&lt;\u00a0zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<h2>Hier finden Sie exemplarisch erg\u00e4nzende Gedanken zu verschiedenen Themen der P\u00e4dagogik.<\/h2>\n<ul>\n<li>(Schul)Politik<\/li>\n<li>Meinungsgeschrei<\/li>\n<li>Bildungsforscher versus Praktiker?<\/li>\n<\/ul>\n<h4><a id=\"(Schul)politik\"><\/a>(Schul)Politik<\/h4>\n<p>In Deutschland ist Schulpolitik L\u00e4ndersache, d.h. mit Schulpolitik kann man Landeswahlen gewinnen. In einer Oppositionspolitik heisst das, was die einen gut finden, m\u00fcssen die andern negieren. So geschehen mit den Gemeinschaftsschulen, die die Gr\u00fcnen und die SPD nach dem Regierungswechsel begr\u00fcndeten. Viele dieser Schulen sind\u00a0sehr erfolgreich, z.B. die Alemannenschule in der\u00a0Landgemeinde Wut\u00f6schingen. Aus Deutschland selber, aus der Schweiz ja sogar aus aussereurop\u00e4ischen L\u00e4ndern pilgern Interessierte\u00a0in\u00a0die Schule. Nach den letzten Landtagswahlen wurde die SPD abgew\u00e4hlt und die Gr\u00fcnen koalieren nun mit der CDU. Ungl\u00fccklicherweise ist nun das Kultusministerium wieder in CDU Hand, was f\u00fcr die Gemeinschaftsschulen bedeutet, dass sie in einem Zustand der kultusministeriellen Duldung sind. Gerne w\u00fcrde man zur &#8222;bew\u00e4hrten Dreigliedrigkeit&#8220; zur\u00fcck kehren, was aber &#8211; nicht zuletzt auch aufgrund der vielen erfolgreichen GMS &#8211; nicht mehr\u00a0m\u00f6glich ist. Ich selber habe seinerzeit, als das Kultusministerium noch in SPD\/Gr\u00fcnen-Hand war, die Ministerin und die Ministerialdirektorin in der Umsetzung der GMS unterst\u00fctzt. F\u00fcr die Starterschulen haben wir einen Teil der Ausbildung vom Lehrer zum Lernbegleiter durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nachdem der Erfolg der GMS nicht mehr\u00a0zu leugnen war, verbreiteten CDU-nahe Kreise die L\u00fcge, dass an einem der von mir gegr\u00fcndeten Gymnasien 40% eines Jahrganges die Matura nicht geschafft h\u00e4tten. Ein gewisser Professor Matthias Burchardt\u00a0verbreitete in der FAZ diese Unwahrheit sowie seine professorale Meinung, dass halt eben autonomes Lernen nicht funktionieren k\u00f6nne. Auf die Einladung, statt nur aus der Theorie zu schreiben, eine Schule vor Ort anzusehen, ist er nie eingetreten. Stattdessen sprang er auf den fahrenden Zug der politisch motivierten GMS-Ablehnung auf und hielt Vortr\u00e4ge \u00fcber das &#8222;illusorische Konzept&#8220; des autonomen Lernens. Als dann die erste Schule &#8211; die privat gef\u00fchrte Freie Schule Anne-Sophie &#8211; ihre Abiturpr\u00fcfung durchf\u00fchrte und \u00fcber dem Landesdurchschnitt lag, verstummte Burchardt.<\/p>\n<p>Dann aber schrieb die FAZ, eine unter Verschluss gehaltene Studie des Kultusministeriums\u00a0stelle der GMS ein vernichtendes Zeugnis aus, was den damaligen Kultusminister zwang, folgende Richtigstellung zu ver\u00f6ffentlichen:<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\" style=\"color: #111111;\"><em>Hierzu stelle ich fest:<\/em><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\" style=\"color: #111111;\"><em>Das Kultusministerium h\u00e4lt kein Gutachten \u00fcber die Gemeinschaftsschule unter Verschluss. Ein solches Gutachten liegt dem Ministerium auch nicht vor.<\/em><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\" style=\"color: #111111;\"><em>Stuttgart, den 9. September 2015<\/em><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\" style=\"color: #111111;\"><em>Ministerium f\u00fcr Kultus, Jugend und Sport Baden-W\u00fcrttemberg, vertreten durch den Minister Andreas Stoch.<\/em><\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\" style=\"color: #111111;\">Es ist eine enorme Ressourcenverschleuderung, die keinem Kinde n\u00fctzt sondern der Institution schwer schadet. Statt einfach hinzugehen und sich eine funktionierende GMS vor Ort anzusehen, schlagen sich Bef\u00fcrworter und Kritiker die K\u00f6pfe ein.<\/p>\n<p class=\"atc-TextParagraph\" style=\"color: #111111;\">Dabei ist es so wie \u00fcberall: Es gibt gute und weniger gute GMS. Die gibt es aber auch bei den Realschulen und den Gymnasien. Was aber die gute GMS erm\u00f6glicht ist das l\u00e4ngere gemeinsame Lernen. F\u00fcr einen Schweizer ist es unvorstellbar, dass man Kinder nach der vierten Klasse zuteilt zum Gymnasium oder zur Realschule oder zur Hauptschule. \u00a0Als ich interimistisch eine Grundschule in Baden-W\u00fcrttemberg leitete fand ich im Korridor ein weinendes M\u00e4dchen. Es klagte, dass sie nur Hauptschulempfehlung habe. Mein Trost ging ins Leere mit ihrer Aussage: &#8222;Meine Schwester hat gesagt, wenn ich nur Hauptschulempfehlung habe, k\u00f6nne ich mich gleich umbringen.&#8220; Allein, dass es solche Meinungen gibt &#8211; und da gibt es viele \u00e4hnliche &#8211; ist Grund genug, die GMS zu f\u00f6rdern und dem l\u00e4ngeren gemeinsamen Lernen den Weg zu bereiten.<\/p>\n<h4><a id=\"Meinungsgeschrei\"><\/a>Meinungsgeschrei<\/h4>\n<p>In meinem oft gehaltenen Vortrag \u201eLernen\u00a0 neu denken\u201c habe ich meine Zuh\u00f6rerInnen zu einer Denkreise eingeladen. Das Denken auf dieser Reise soll im sokratischen Sinne den stillen Dialog zwischen mir und mir selbst anregen.\u00a0 Da freut es mich immer, wenn andere von ihren Dialogen berichten.\u00a0 Diese Dialoge sind Lernanl\u00e4sse, die das Gef\u00e4ss der Reifung f\u00fcllen. \u00c4rgerlich, ja oft sogar denkhemmend ist es, wenn politisch motiviertes Meinungsgeschrei Denken und Dialog piratiert. Man m\u00fcsste Gegenschreien, was mir auch schon gelungen ist, mich aber im Nachhinein auch besch\u00e4mte. Rechtfertigen blockiert den inneren Dialog.<\/p>\n<h4><a id=\"Bildungsforscher versus Praktiker?\"><\/a>Bildungsforscher versus Praktiker?<\/h4>\n<p>John Hattie hat die Merkmale lernwirksamen Unterrichts erforscht und dazu 750 Metaanalysen, 50 000 Einzelstudien und 200 Millionen Sch\u00fcler zurate gezogen. Das hat er umsichtig und\u00a0sorgf\u00e4ltig gemacht und herausgefunden, wie sein Kollege Franz Liposwki Professor an der Universit\u00e4t Kassel, in seiner Interpretation der Hattie-Studie formulierte: &#8222;Vieles von dem, was nach Hattie guten Unterricht auszeichnet, l\u00e4sst sich gut verbinden mit der Forderung nach einem kompetenzorientierten Unterricht und mit Forderungen nach individueller F\u00f6rderung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Peter Fratton hat \u00fcber 30 Jahre lang das Konzept des kompetenzorientierten autonomen Lernens in Abh\u00e4ngigkeit zur angemessen gestalteten Umgebung praktiziert und dabei ca. 18 000 Inputs (Lektionen) gehalten, ca. 22 000 Stunden im Lernatelier begleitet und ca. 15 000 pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che mit mehr als 3000 Lernpartnern (Sch\u00fclern) gef\u00fchrt. \u00a0Er hat \u00fcber 10 H\u00e4user des Lernens gegr\u00fcndet und \u00fcber 80 Schulen k\u00fcrzer oder l\u00e4nger begleitet. Er hat nie eine Gemeinschaftsschule gef\u00fchrt, aber Mitglieder des Kultusministeriums haben nach einer Vielzahl von Besuchen, den Ansatz als eine Hilfe in der Umsetzung der GMS gesehen. Er misst der Praxis, vorab den Gespr\u00e4chen mit seinen Lernenden, den gr\u00f6sseren Handlungswert zu als der p\u00e4dagogischen Wissenschaft und der Bildungsforschung, freut sich aber, wenn letztere zum gleichen Ergebnis kommen wie die Praxis.&#8220; (Vorstellung durch Reinhard Kahl an der K\u00f6rberstiftung Hamburg)<\/p>\n<p>Reinhard Kahl (Treibh\u00e4user der Zukunft) meint: &#8222;Die Praxis ist die K\u00f6nigin, an deren Hof die Theorie und auch die Beobachter bevorzugte Pl\u00e4tze haben.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&lt;\u00a0zur\u00fcck Hier finden Sie exemplarisch erg\u00e4nzende Gedanken zu verschiedenen Themen der P\u00e4dagogik. (Schul)Politik Meinungsgeschrei Bildungsforscher versus Praktiker? (Schul)Politik In Deutschland ist Schulpolitik L\u00e4ndersache, d.h. mit Schulpolitik kann man Landeswahlen gewinnen. In einer Oppositionspolitik heisst das, was die einen gut finden, m\u00fcssen die andern negieren. 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